Persönliches

Werde ich gefragt: "mit wie vielen Jahren haben Sie begonnen ?" regt sich in mir die Gegenfrage „mit was ?“. Lang ist der Weg, bis sich das Gefühl einstellt, dieser ist der richtige, der sich zu verfolgen lohnt. Es verlangt nach Zeit, bis ich mich vom reinen Handwerk des Klavierspiels durch stetes Suchen und Hinterfragen aus Schranken befreie, dann dem Menschen Energie, dem Hörerlebnis Farben und Stimmungen, dem Konzert emotionalen Ausdruck verleihe, mir, dem Interpreten das glückliche Erlebnis spürbar wird: „es spielt durch mich“. Es galt viele Hürden zu überbrücken, bis ich das Gefühl hatte, ich kann meine eigenen Ansprüche erfüllen.

Waren es im Kindesalter Erlebnisse, wie Bernsteins Dirigat, die mir wie Initialzündungen erscheinen und das Empfinden, das Klavier als ganz persönlichen Gesprächspartner zu nutzen, um mich aus der Welt der Erwachsenen zurückziehen zu können, fallen unvergessliche Stationen meiner persönlichen Entwicklung in die Studienzeit: meine Professorin als Wegbegleiterin, ein Jahr Metropole London, Sternstunde in Barcelona, eine nie zuvor erlebte kammermusikalisches Zusammentreffen in einem Festival in Florida.

Inzwischen habe ich einen Lebensabschnitt erreicht, den ich als Belohnung empfinde für viele Entbehrungen der letzten Jahrzehnte. Persönlich darf ich heute meistens so sein wie ich bin. Ein Privileg, das ich sehr zu schätzen weiß. Einer der Wendepunkte war die Geburt meiner Tochter 2007, die mir heute in ihrem Drang zur Eigenständigkeit meine eigene Vergangenheit vergegenwärtigt. Mit dem Umzug in ein Haus auf dem Land habe ich mir einen Wunsch erfüllt und genieße hier nahe bei Berlin die Natur mit allen Sinnen.

Nie habe ich Musik so tief empfunden wie heute, möchte sie ausloten und mich in ihr bewegen. Für mich beinhaltet sie die Reflektion aller Wesenszüge und Stimmungen des Lebens wie ein persönlicher Spiegel für das Erlebte und Ersehnte .Der vergeistigte Text eines Beethoven inspiriert mich, das romantische Drängen eines Chopin wandeln sich um in Energie, der Humor eines Haydn beschwingt mich, die Kompositionen der Zeitgenossen spricht unterschiedliche Ansätze der Herangehensweise in mir an. Meine wichtigste Erfahrung im Umgang mit Musik war die Gewinnung von Energie aus dem Spiel.

Bei der Auswahl der Konzertprogramme reizen mich oft besonders schwere Werke, wie die Liszt-Transkription einer Beethoven Sinfonie um bis an meine spieltechnischen Grenzen zu gehen, ich selber immer mein unbarmherzigster Kritiker. Gerne moderiere ich meine Konzerte, weil ich erfahre, dass ich sehr unmittelbar den Zuhörer erreiche und lockern (enthemmen) kann, der von sich behauptet, er habe keine Ahnung von Musik. Unser Leben ist nicht lang genug, um das gesamte Repertoire der Klavierliteratur kennenzulernen. Immer wieder beschäftige ich mich für CD Produktionen mit weniger bekannten Komponisten und recherchiere mit Neugier. Dabei war die geistige Begegnung z.B. mit Furtwängler und seinem komplexen Leben ein besonderes Erlebnis. Im kammermusikalischen Spiel liebe ich - neben dem selbstverständlichen gemeinsamen Empfinden musikalischer Bögen - eine hellwache Kommunikation, absolute Verlässlichkeit und stabile Vertrauensbasis in der Vorbereitung. Dann gelingt auch der Auftritt in einer freudiger Ausgelassenheit..

Schon immer verspürte ich ein Bedürfnis, meine Erfahrungen an Studenten weiterzugeben. Dabei kommt es nur dann zu fruchtbaren Zusammenarbeit, wenn ein Vertrauensverhältnis zwischen Lehrer und Student aufgebaut wird. Dann kann Platz geschaffen werden für das Streben nach Neuem und zur Prägung einer eigenen Vorstellung. Vorhandensein muß die Bereitschaft, sich einer neuen Sprache zu öffnen, ohne seine kulturellen Wurzeln zu verleugnen, neugierig zu sein für Herausforderungen und Anregungen. Der Musiker sollte sich bewusst sein über seine Verantwortung dem Werk des Komponisten gegenüber und ihm ohne Eitelkeiten begegnen, um eine authentischen Wiedergabe erarbeiten zu können. Das Brennen für die Sache sollte einhergehen mit der Fähigkeit zum reflektierten Verhalten, musikalischer Intelligenz und Selbstorganisation im praktischen Leben, um einen Platz in der heutigen Musikszene zu finden.

Die Eindrücke einer Trekkingtour durch Nepal hat mir zum Jahreswechsel 1996 / 97 schlagartig bewusst gemacht, dass wir uns als winzige Individuen sehr oft viel zu wichtig nehmen. Wir sollten eher an einer Gemeinschaft interessiert sein, uns gegenseitig unterstützen anstatt zu verängstigen, um unser Gastspiel auf Erde