Diskographie

Salomon Jadassohn (1831-1902) Kammermusik RS 051-0036

 

Wilhelm Furtwängler (1886-1954) Violinsonaten
Matthias Wollong, Violine
Birgitta Wollenweber, Klavier   cpo 777 217-2 (2CDs) 2007


Florent Schmitt Kammermusik    Naxos 2011
Klavierquartett op.51
À tour d'anches op.97'

Matthias Wollong, Petra Schwieger, Violinen
Ulrich Knörzer, Viola
Andreas Grünkorn, Violoncello
Matthias Bäcker, Oboe
Richard Obermayer; Klarinette
Frank Forst, Fagott
Birgitta Wollewneber, Klavier
 


Rezensionen

FONO FORUM
Höchst willkommen.
Große, monumentale Formen charakterisieren das Werk des Komponisten Wilhelm Furtwängler (1886-1954). Ob er um die Gefahr wusste, sich darin zu verlieren ? Furtwänglers Violinsonaten haben zusammen eine Aufführungsdauer von über 100 Minuten. Allein das spricht für sich; die Anforderungen an die Interpreten sind enorm. Weitsicht und schier endlos langer Atem sind gefordert. Matthias Wollong, Konzertmeister der Staatskapelle Dresden, und Birgitta Wollenweber verfügen über diese Kraft. Ob sie die Sonaten für den Konzertsaal retten können, sei dahingestellt. Ein neuer Blick auf diese geradezu gigantischen Kompositionen ist sicher sinvoll und bei der dünnen Kataloglage höchst willkommen. N.H.
Musik       ****
Klang       ****

ENSEMBLE 3/07
Einfach und groß.
Dass der erfolgsverwöhnte Dirigent Wilhelm Furtwängler sich zeit seines Lebens als nicht verstandener und beachteter Komponist fühlte, ist der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt, doch hatte er schon seit seiner Jugend Noten geschrieben, diese Tätigkeit aber zugunsten eines Broterwerbs und einer Anerkennung in der Musik für das Dirigieren fast gänzlich aufgegeben. ... zweite Schaffensperiode...der auch zu dieser Zeit noch tonal komponierte, aber beständig mit der Form kämpfte, um sich Ausdruck zu verleihen, auch wenn er vordergründig die überkommene Struktur der Klassik beibehielt...Monumental ? Nein, Furtwängler wollte nur Einfaches und Großes schaffen - und dies ist ihm letztendlich durch die Audsdrucksintensität und Dramatik in diesen Sonaten auch gelungen. Und M.Wollong und B.Wollenweber vermögen diesem Drama der Form und Ausdrucksdichte derartig gerecht zu werden, dass es eine Freue ist, diese Werke wieder und wieder zu hören. Carsten Dürer
Repertoirewert  *****
Klang                  ****
Interpretation      *****


FRANKFURTER ALLGEMEINE 03/07
Spätromantische Riesenklangstücke ....das thematische Material durchwuchert den gesamten Zyklus, die Musik kann und will nicht mehr enden. Jede Violinsonate in dieser Neuaufnahme hat zeitlich etwa die Dauer einer großen Symphonie. M.Wollong und B.Wollenweber sorgen trotz vorbildlichem Legato und rundem Klangbild auf sympathisch kühle Weise dafür, daß man als Hörer nicht den Durchblick verliert.

KLASSIK HEUTE 04/07
Wer sich mit Furtwängler befaßt, braucht viel Zeit. ...weil er in dem wenigen, was er schuf, eine unerhörte Menge an Informationen in kolossale Dimensionen gegossen und damit Spieldauern erreicht hat, die selbst bei kleineren Besetzungen ins Uferlose streben, wie die beiden hier eingespielten Violinsonaten demonstrieren...Ein Kammermusikabend mit Furtwängler setzt also voraus, daß man sich erst einmal nichts mehr vornimmt...
Doch es lohnt sich. Schon nach wenigen Takten der ersten, 1935 nach bald zwanigjähriger Arbeit vollendeten Violinsonate zieht einen der Geiger M.Wollong mit enormer Suggestivkraft in die fantastisch zerklüfteten Welten hinüber, die Furtwängler vorzugsweise bewohnte....die hier eingespielten Sonaten,die beide Künstler auf bewundernswerte Weise und mit einem geradezu sportlichen Stehvermögen realisiert haben. Was immer hier geschnitten sein mag: Die riesigen Spannungen und gewaltigen architektonischen Verstrebungen, die die einzelen Sätze zusammenhalten, werden bei jedem Durchgang fesselnder und lassen erahnen, was Walter Abendroth meinte, als er etwa zur Zeit der ersten Sonate über einen "natürlichen Verlauf der Musikgeschichte" spekulierte. Rasmus van Rijn

Künstlerische  Qualität          10
Klangqualität                           10
Gesamteindruck                     10


PIZZICATO 5 / 07        SUPERSONIC AWARD MAY 2007
Gewaltige Kammermusik   .....Die beiden Interpreten entstammen aber nun einer ganz anderen Epoche und entsprechen auch einem komplett verschiedenen Künstlerbild. Wer Furtwänglers Musik von authentischen Aufnahmen her kennt, der weiß, wie schwülstig seine Musik klingen konnte, aber auch wie grandios und monumental. Unsere beiden Künstler versuchen, Furtwänglers Werken mit Objektivität zu begegnen, und hört man sich diese Aufnahmen an, so scheint das auch der einzig richtige Weg zu sein, die Musik über die Zeit hinaus zu retten. Wollong und Wollenweber überzeichnen nichts, und, obwohl sie dem inneren Duktus der Musik folgen, wirken ihre Interpretationen immer leicht und wendig. Für sie scheint Furtwänglers Musik in der Tat dem 19. Jahrhundert anzugehören; die Musik atmet frei den Geist Beethovens und schwingt mit der Ausdrucksstärke eines Brahms oder Schubert. Aber dabei wirkt F.Musik nie wirklich altmodisch. Durch das lebendige und immer eindrucksvolle Spiel der beiden Musiker beginnen auch der Geist und das Genie Furtwänglers wie von selbst zu strahlen. Losgelöst von allen zeithistorischen Zwängen zeigen sich Furtwänglers Kompositionen durch die intelligenten und wundervoll ausbalancierten Interpretationen von Matthias Wollong und Birgitta Wollenweber als absolute Musik. Steff

CD TIPPS VORGEHÖRT
Furtwänglers Kammermusik...bedeutet die 1. Violinsonate selbst für Langstreckenhörer eine Herausforderung. .."Einfach, groß und monumental" ist nicht allein die zeitliche Ausdehnung, sondern vor allem die geistig-seelische Spannweite, die sich in einem gewaltigen spätromantsichen Klangkosmos entlädt. Matthias Wollong (Violine) und Birgitta Wollenweber (Klavier) sind leidenschaftliche Anwälte dieser aus der Zeit gefallenen Kammermusik. Tst

TLZ TREFFPUNKT
ZEIT-GEIST......Wollong ist ein Spezialist für anspruchsvoll heikle Fälle, und so wie er und seine Begleiterin diese Werke in gebührender Klarheit und mit liebevoller Emphase darbieten, empfindet man den tiefen Respekt vor einem Großen der Musik.....


MUSICA 12 / 02 (Milano)   
Sehr gediegen, sicherlich ein wenig lehrmeisterlich, aber alles andere als langweilig oder grob, ist die Kammermusik von Salomon Jadassohn (1831-1902), von der uns Real Sound mit dieser neuen CD, aufgenommen im Gustav Mahler - Saal in Toblach im Dezember 2001, eine interessante Kostprobe anbietet.
Geboren in Breslau in eine wohlsituierte Familie, verließ Jadassohn mit 17 Jahren seine Stadt, um am Konservatorium in Leipzig seine Studien fortzusetzen.
1849-51 war er Schüler von Liszt in Weimar und nach seinem Diplom wurde er Diri gent des Chores der Synagoge in Leipzig.......
In sehr kurzer Zeit hat er sich hervorgetan als Theorie-, Kompositions-, Instrumentations- und Klavierlehrer. Er brachte ein sehr bekanntes Werk der Theorielehre heraus, das mehrmalige Neuauflagen erfuhr und in verschiedenen Übersetzungen gedruckt wurde.
Erwähnenswert sind insbesondere seine Kammermusikwerke und Werke für Klavier solo, aber er komponierte auch 4 Sinfonien, 2 Konzerte für Klavier und Orchester und eine Reihe geistlicher Werke.
Die 3 Stücke, die hier präsentiert werden - alle in 4 Sätzen angelegt und alle von gleichem inhaltlichem Wert, gehören bereits zur kreativen Phase seiner Reifezeit.
Quartett und Trio - veröffentlicht 1884 bzw. 1887, sind deutlich geprägt vom Einfluß Mendelssohns (ohne Umschweife erkennbar im Scherzo von op.77), der natürlich in Leipzig als besondere Persönlichkeit galt. Das Werk mit der reichsten Substanz auf dieser CD, auch wenn die beiden anderen ihm dicht folgen, ist wohl das Quintett, das - abgesehen von seiner mit 24 Minuten nicht ausladenden Länge - von großem Atem und Ausgeglichenheit zeugt, energisch und dramatisch im 1.Satz, nobel lyrisch im 2.Satz, stürmisch und leidenschaftlich im Finale.
Einfach ohne Tadel ist die fließende Lesart, die uns von den 5 ausgezeichneten, hervorragend vorbereiteten Instrumentalisten offeriert wird, angeführt vom Einfluß und der Klasse der Pianistin Birgitta Wollenweber, einer Künstlerin, die sehr aktiv ist in der Verbreitung von wenig bekannten Werken.
Wir finden es richtig, an dieser Stelle wenigstens ihre Diskographie zu erwähnen, die - was die Klaviermusik betrifft- Julius Weismann (MDG), Carl Loewe (Ambitus) und Georg von Albrecht (Real Sound) gewidmet ist.

FONO FORUM 7/03 und Auszug in den Kieler Nachrichten 29.4.03 / Christian Strehk
Satte Töne Dem 1831 in Breslau geborenen Komponisten Salomon Jadassohn hat einst guter Ruf als handwerklich erstklassiger Tonsetzer, als pianistisch hoch begabter Liszt- und Moscheles-Schüler sowie als bedeutender Pädagoge und Lehrer von Größen wie Busoni, Delius, Grieg, von Reznicek oder Weingartner nicht viel genützt. Vielleicht stand der 1902 gestorbene Professor an der berühmten Leipziger Musikhochschule doch zu sehr im Schatten von Carl Reinecke. Ganz sicher hat den jüdischen Komponisten (1831-1902) der schwelende Antisemitismus an den Rand des Vergessens gedrängt. Ein Verlust: Jadassohns hier zusammengeführte Werke des späten 19. Jahrhunderts prägen in ihrer kraftvollen Rhetorik, formalen Solidität und reich schattierten Moll-Harmonie allemal einen eigenständigen Ton aus. Wer mag, kann innerhalb der unbegrenzt wuchernden Melodieseligkeit schlesische oder jüdische Anklänge nachempfinden. Ansonsten begegnet ein interessanter Mix aus Mendelssohn - Tradition und Wagner-Verehrung.
Es ist jedenfalls eine Lust, sich nun hörend in diese unbeirrt hochromantische Kammermusik fallen lassen zu dürfen, zumal die exquisiten Instrumentalisten das einzig Richtige mit ihr tun: Sie greifen in die Vollen. Straffe Tempi und satte Töne tragen mühelos über die meisten Salon-Sentimentalitäten hinweg, die Feinabstimmung in der Artikulation belebt Jadassohns Liebe zum Kontrapunkt. Vielleicht das c-Moll-Trio, ganz bestimmt aber das g-Moll-Quintett sollte über das vorliegende starke Plädoyer hinaus im Umfeld von Schumann und Brahms stärker ins Bewusstsein rücken.

Interpretation

*****

Klang

*****